Textbroker Erfahrungen eines Autors

19. November 2013 | Seenadel

Textbroker.de ist ein Portal für Kunden, die verschiedene Texte in Auftrag geben wollen, und für Autoren, die diese Aufträge annehmen. Ich persönlich habe mittlerweile einige Artikel auf Textbroker geschrieben, und möchte hier einen kleinen Erfahrungsbericht abgeben.

Probetext gibt Aufschluss über Textqualität

Nach der kurzen Anmeldung und der Bestätigung seiner E-Mail Adresse, gelangt man bereits ins Interface von Textbroker. Man kann dort allerdings noch nicht allzu viel tun, da man erst einen kleinen Probetext schreiben muss, um Textbroker die eigenen Schreibfähigkeiten zu demonstrieren. Das kann zum Beispiel ein Reisebericht oder eine Produktbeschreibung sein.

Hat man den Text erfolgreich abgeschickt, dauert es einige Stunden oder bis zum nächsten Tag, und schon flattert die Bewertung von Textbroker in den virtuellen Briefkasten. Diese E-Mail enthält normalerweise eine von vier möglichen Bewertungen:

  • 2 Sterne Bewertung:
    In diesem Fall ist man zwar angenommen worden, allerdings enthalten die Texte auffällig viele Fehler. Viele Aufträge in dieser Kategorie gibt es nicht.
  • 3 Sterne Bewertung:
    Die Standard-Bewertung, soviel ich mitbekommen habe. Ich habe ebenfalls drei Sterne erhalten, das heißt, meine Texte sind nahezu fehlerfrei.
  • 4 Sterne Bewertung:
    Wer vier Sterne bekommt, der kann flüssig lesbare Texte schreiben, die qualitativ hochwertig sind und keine Fehler enthalten.
  • 5 Sterne Bewertung:
    Diese Bewertung kann man, soviel ich weiß, nicht einfach so bekommen. Personen, die in diese Kategorie kommen, sind professionelle Journalisten, die Texte für gehobene Ansprüche schreiben. Vermutlich muss man bei Textbroker nachweisen, dass man Journalist ist, oder aber, Textbroker meldet sich von selbst.

In der 3 Sterne Kategorie gibt es bereits einige Texte zu schreiben. Hier hat man eigentlich immer zu tun, wenn man wirklich etwas schreiben möchte. Die meisten Texte gibt es in der 4 Sterne Kategorie, der ich leider nicht angehöre. Hier gibt es ca. 3 bis 4 Mal so viele Aufträge wie in der 3 Sterne Abteilung. Wer eine 5 Sterne Bewertung hat, der wird nur sehr wenige Aufträge vorfinden. Warum das so ist, erfährst Du im nächsten Kapitel.

Was verdient man bei Textbroker?

Die Vergütung sieht wie folgt aus:

  • 2 Sterne: 0,7 Cent pro Wort
  • 3 Sterne: 0,9 Cent pro Wort
  • 4 Sterne: 1,2 Cent pro Wort
  • 5 Sterne: 4 Cent pro Wort

Textbroker Vergütung

Man sieht, dass professionelle Journalisten mehr als dreimal so viel Geld für ihre Texte bekommen, wie „normale“ Schreiberlinge. Das erklärt auch, warum es so wenig Aufträge für Journalisten gibt: Die meisten Kunden sind nicht bereit, so viel Geld für einen Artikel zu bezahlen. Außerdem haben „richtige“ Journalisten meist etwas anderes zu tun, als auf Textbroker zu schreiben.

Insgesamt gesehen ist die Ausbeute bei Textbroker eher mickrig. Der Aufwand für die meisten Texte ist einfach zu groß, da meist eine zeitintensive Recherchearbeit notwendig ist, um den Text überhaupt schreiben zu können. Ich schaue allerdings trotzdem immer wieder vorbei, da häufig Texte in Auftrag gegeben werden, die ich problemlos in einem Zug herunter schreiben kann. Das kommt vor allem dann vor, wenn ich keine Lust habe, an meinen eigenen Projekten zu arbeiten.

Kritik an den Auftraggebern

Wer sich einige Zeit auf Textbroker herumtreibt, der wird feststellen, dass sich viele Auftraggeber nicht richtig ausdrücken können. Teilweise gibt es genaue Vorgaben und Anweisungen, wie der Text geschrieben zu werden hat – das ist gut. Andere Kunden schreiben allerdings in so schlechtem Deutsch, dass ich oft Probleme hatte, zu verstehen, was der Kunde gerne möchte.

Manchmal werden bestimmte Keywords angegeben, die im Text vorkommen müssen. Wenn diese Keywords falsch geschrieben sind, muss man die falsche Rechtschreibung zwangsläufig übernehmen, da die Texte vom System sonst nicht angenommen werden. Da die Texte allerdings von Textbroker kontrolliert werden, wird dem Autor dieser Fehler angekreidet. Und auch sonst: Ich bin nun wirklich kein Journalist oder Germanist, aber in meinen korrigierten Texten, wurde die deutsche Rechtschreibung von den Korrektoren gerne mal anders ausgelegt, als ich sie in der Schule gelernt habe. Insgesamt gesehen hilft die Korrektur der eigenen Rechtschreibung allerdings in den meisten Fällen weiter.

Fazit: Textbroker als Autor

Textbroker ist eine gute Sache für Leute, die etwas nebenbei verdienen möchten, oder für Selbstständige im Internet, die sich in der Anfangsphase befinden und noch einiges an Erfahrung sammeln müssen. Insgesamt gesehen, lernt man durch die Korrektur der eigenen Texte durch Textbroker doch einige neue Rechtschreibregeln kennen.

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Massada Gould
4. Dezember 2015 um 15:21 Uhr

Ich bin nun schon seit mehreren Jahren ein „Sklave“ der Plattform Textbroker und es stimmt, es ist ein Hungerlohn. Es lohnt nicht wirklich, denn selbst erfahrene Texter der Eingruppierung 4 müssen für die Recherche soviel Zeit aufwenden, das im Endeffekt nie mehr als 5 Euro Stundenlohn dabei heraus kommen, manches mal noch weit weniger. Das alleine ist es aber nicht. Textbroker bezahlt nicht nur hundsmiserabel, die Plattform reagiert auch auf die kleinste Kritik durch ihre Texter höchst empfindlich und führt entsprechende Strafmaßnahmen durch wie etwa die Abstufung in die Gruppierung 3, wo noch weniger zu verdienen ist. Natürlich immer unter dem Deckmantel ihrer Qualitätsvorgaben. Warum ich trotzdem bei „denen“ schreibe, hängt mit der Einrichtung meines persönlichen Lebensstils zusammen, der kein großes Einkommen erfordert. Ich schreibe Vormittags etwa 6 bis 8 Stunden, das genügt mir dann zum Leben vollkommen. Die große Problematik der Texterbörsen wie Textbroker, Pagecontent oder Content.de ist die Masse der Freizeit-Texter, die zu einem erheblichen Anteil Transferleistungen wie Hartz 4 vom Staat beziehen und nebenher ihre Bezüge aufbessern. Ich selbst gehöre nicht zu dieser Gruppe. Das diese Klientel ihren Nebenerwerb nicht anmeldet, versteht sich von selbst. Würden die Kommunen einmal einen Abgleich von den Texterbörsen verlangen, um zu sehen, wer denn schreibt und zweimal kassiert, würden zwei Dinge gleichzeitig passieren: A) die Kommunen würden Geld einsparen und B) die Texterbörsen hätten auf einen Schlag wesentlich weniger Texter zur Verfügung und müßten sich anpassen, beziehungsweise die noch verbliebenen Texter besser bezahlen, um Aufträge befriedigen zu können. Natürlich würde sich die Anzahl der Textaufträge dann wiederum verringern, aber mal ganz ehrlich, der Struktur des Internets würde es durchaus gut tun, wenn Blogger und sogenannte Publisher ihr Zeug wieder selber schreiben würden und sich nicht mit fremden Federn für ein paar Euro schmücken. Ebenso steigt in der Folge die Qualität der Texte, was wiederum „echtem“ Journalismus zugute kommt. Heute ist ja Jeder Journalist, der einigermaßen das ABC beherrscht und die Kamera in seinem Smartphone bedienen kann.

Seenadel
4. Dezember 2015 um 16:39 Uhr

Gute Punkte, Massada. Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar!

Bin mir auch relativ sicher, dass dort nur sehr wenige Schreiber ihre Verdienste versteuern.

Habe in der letzten Zeit selbst mal einige Texte dort schreiben lassen und finde es seltsam, dass manche 4-Sterne Texte deutlich schlechter als meine 3-Sterne Texte sind.

Ansonsten kommen aber im Durchschnitt ganz gute Texte dabei rum.